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Neue Räume - Neue Leben

Deutsches Auswandererhaus, Columbusstr. 65, 27568 Bremerhaven
Dienstag 12.09.2017 – 19:30 Uhr
10 – 15 €

„Zuerst prägt der Mensch den Raum, dann prägt der Raum den Menschen“, lautet ein Ausspruch von Winston Churchill. Räume verändern sich – durch Menschen, die in ihnen leben, und jene, die in ihnen eine neue Heimat finden wollen. Und durch den Umgang mit eben diesen Heimatsuchenden. 

Drei Schriftsteller beleuchten in ihren Romanen die Frage, wie es ist, als Migrant in einem fremden Land zu leben. Das fällt den polnischen „Strebermigranten“, wie die Journalistin und Autorin Emilia Smechowski sie nennt, leicht. Nach Smechowskis eigener Erfahrung schaffen sie es, sich nahtlos in die deutsche Gesellschaft einzufügen, verlieren dabei jedoch mehr und mehr die eigene Identität. In Olga Grjasnowas Roman „Gott ist nicht schüchtern“ ist das Leben der Protagonisten, die ihre Heimat in Syrien verlassen müssen, dagegen eine Herausforderung. Denn „die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge, Refugees, Muslime oder Newcomer. Die Herablassung ist in jedem Atemzug spürbar.“ Und auch für Sherko Fatahs Hauptfigur in „Das dunkle Schiff“, die aus dem irakischen Grenzland flieht, entpuppt sich die schöne neue Welt als Trugbild. Denn das alte Leben lässt sich nicht abschütteln. 

Moderiert von NDR Kultur-Redakteur Joachim Dicks folgen die Autoren ihren Protagonisten in ein Leben, das nicht immer hält, was es zunächst verspricht. Den Rahmen für diese Veranstaltung bildet das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven, wo sich die Besucher auf eine historische Zeitreise in die Welt der Ein- und Auswanderungen machen können. 

17.45 Uhr: 45-minütiger begleiteter Rundgang, 8,80 €  /  Anmeldung: 04 71 / 90 22 00 bis zum 04.09.2017 

Sherko Fatah, Foto: Jens Oellermann

Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen geboren. Er wuchs in der DDR auf und siedelte 1975 mit seiner Familie über Wien nach West-Berlin über. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte. Für sein erzählerisches Werk hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Großer Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste und den Adelbert-von-Chamisso-Preis 2015, außerdem den Aspekte-Literaturpreis für den Roman „Im Grenzland“. Er wurde mehrfach für den Preis der Leipziger Buchmesse (2008 mit „Das dunkle Schiff“, 2012 mit „Ein weißes Land“) nominiert und mit „Das dunkle Schiff“ auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2008 gewählt.

Olga Griasnowa, Foto: René Fietzek

Olga Grjasnowa wurde 1984 in Baku, Aserbaidschan, geboren und verbrachte längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, Israel und der Türkei. Für ihren vielbeachteten Debütroman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ wurde sie mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien 2014 „Die juristische Unschärfe einer Ehe“. Beide Romane wurden für die Bühne dramatisiert. Olga Grjasnowa lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Emilia Smechowski, Foto: Linda Rosa Saal

Emilia Smechowski, 1983 in Polen geboren, floh mit ihrer Familie 1988 nach Westberlin. Sie studierte Operngesang und Romanistik in Berlin und Rom, bis sie im Journalismus landete. Sie war Redakteurin der tageszeitung und arbeitet heute als freie Autorin und Reporterin, u. a. für Geo, SZ Magazin und DIE ZEIT. Ihr Essay über die unsichtbaren Polen wurde mit dem Deutschen Reporterpreis, dem Konrad-Duden-Journalistenpreis und dem Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis ausgezeichnet.

Dicks, Joachim, Foto: Yvonne Szallies-Dicks

Joachim Dicks, 1966 in Krefeld geboren, studierte Philosophe, Germanistik, Geschichte und italienische Philologie in Köln und Bologna. Anschließend arbeitete er als freier Autor und Journalist für die ARD und das ZDF. Seit 2010 ist er Literatur- und Featureredakteur bei NDR Kultur.

Deutsches Auswandererhaus, Foto: Kay Riechers
Spielstätte Deutsches Auswandererhaus, Columbusstr. 65, 27568 Bremerhaven
Mit der Eröffnung des Deutschen Auswandererhauses Bremerhaven wurde 2005 der Grundstein für ein Migrationsmuseum in Deutschland gelegt. Informativ und emotional präsentierte das Erlebnismuseum zunächst die Geschichte der 7,2 Millionen Auswanderer, die von 1830 bis 1974 über Bremerhaven nach Übersee gingen. 2012 folgte eine Erweiterung zu 300 Jahren Einwanderungsgeschichte nach Deutschland – von den Hugenotten über Saison-, Vertrags- und „Gastarbeiter“ bis hin zu (Bürger-)Kriegsflüchtlingen. Über 2,2 Millionen Besucher konnte das Haus, das 2007 als bestes Museum Europas ausgezeichnet wurde, bereits in seinen nach historischen Vorbildern rekonstruierten Ausstellungsräumen begrüßen.
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